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Interview mit Ines Schreiber, seit Juni 2003 Gesamtleiterin
Frau Schreiber, warum haben Sie sich entschieden, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten? Ich war beruflich schon immer in der Jugendhilfe tätig. Ein direktes Schlüsselerlebnis für diese Entscheidung gab es nicht, aber soziale Berufe sind nicht selten in unserer Familie – das hat mich bestimmt auch geprägt. In diesem Beruf kann man nicht einfach nur seine Aufgabenlisten abhaken. Man muss ihn leben. Und es muss ein Stück Identifikation mit den eigenen Wertevorstellungen vorhanden sein. Dann passt das. Konnten Sie denn Ihre berufliche Laufbahn immer mit Ihren persönlichen Werten vereinen? Nach sieben Jahren in der Geschäftsführung bei einem großen Wohlfahrtsverband habe ich zu einer kommunalen Kinder- und Jugendhilfe GmbH gewechselt, da ich immer weiter weg von der Basis gearbeitet habe. Aber auch hier, als Prokuristin, habe ich mich nicht richtig gut aufgehoben gefühlt. Die Struktur war zu kommunal ausgerichtet, und – noch viel wichtiger – die eigene Philosophie passte nicht ganz zu der des Unternehmens. Was war dann bei Ihrem nächsten Arbeitgeber, der hkj, anders – was hat Sie überzeugt? Vor allem die dezentrale Struktur, die mir einen größeren Wirkungskreis eröffnete. Ich durfte wieder kreativ sein, konnte mehr eigenständig entwickeln. Was mich besonders angesprochen hat, ist die Philosophie. Wie würden Sie diese Philosophie mit Ihren eigenen Worten zusammenfassen? Es wäre jetzt mühsam, unsere Leitsätze aufzuzählen, aber im Wesentlichen kann man sagen: Die hkj ist ein Unternehmen, das einerseits natürlich wirtschaftlichen Aspekten unterliegt. Aber im Vordergrund steht immer das Kind. Das Kind und die dazugehörige Familie. Alles, was für das Kind wichtig, für seine gesundheitliche Entwicklung und sein Wohlbefinden notwendig ist, hat auch für den Träger Priorität. Es wird nicht gespart, man ist nah dran und kann unbürokratisch Hilfen entwickeln. Dass das von Geschäftsführung und Gesellschaftern auch getragen wird, das ist für mich das Entscheidende. Was verbinden Sie in Ihrer täglichen Arbeit ganz spezifisch mit der hkj? Kommunikation, Wertschätzung, Verständnis. Ich spreche jetzt mal vom Leitungsbereich, weil das die engsten Kontaktpersonen für mich sind. Man versteht sich, man will das Gleiche, man nimmt Rücksicht – z.B. auch auf die eigene Familie. Wir benötigen alle unseren privaten Frieden und gehen sehr offen und unkonventionell damit um. Das ist sehr wichtig. Und auch umgekehrt ist im privaten Bereich sehr viel Verständnis für unseren Beruf da. Wir leben das alle so. Stichwort privater Frieden. In Ihren Erzählungen finden sich sehr schöne, aber auch sehr heftige Erlebnisse. Das ist ja kein Beruf, bei dem man die Arbeit im Büro lässt. Wie gehen Sie damit um? Man erlernt Techniken, bestimmte Dinge auch mal auszublenden. Wenn die Fürsorge für einen selbst in Gefahr gerät, kann man auch seine Arbeit nicht richtig machen. Der Träger bietet uns Supervisionen und Coaching. Ich habe auch selber noch eine Coaching-Ausbildung abgeschlossen als Handwerkszeug für die alltägliche Arbeit. Das trägt schon zur Psychohygiene bei. Da gibt's auch kein Veto und kein Stopp und kein "Wieso hast du schon wieder ...". Und es ist die kollegiale Beratung untereinander – also dass man sich einander anvertrauen kann. Aber man nimmt Dinge selbstverständlich auch mit nach Hause. Zum Beispiel wenn ein Kind nicht in die Wohngruppe zurückgekehrt ist oder wenn ein schlimmer Vorfall war. Wie tief ist denn Ihr Einblick in den Alltag der Kinder? Ich denke, jeder Einrichtungsleiter kennt jedes Kind, das in seinen Häusern lebt, ziemlich gut. Also bei Aufnahmen, Entlassungen, Krisenbegleitungen in welche ich verantwortlich eingebunden bin, kenne ich jedes einzelne Kind und seine Geschichte. Was wünschen Sie sich für die Zukunft der hkj und für Ihre Arbeit? Volle Häuser, zufriedene Mitarbeiter, Kinder, die sagen "das ist mein Zuhause auf Zeit, hier fühl ich mich aufgehoben", ja ... und immer mal ein Strahlen! Vielen Dank für das Gespräch! |
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